Interview mit Bischof Genn

Dorothea Große-Frintrop: Herr Bischof, Sie haben die Bischöfliche Frauenkommission ja so zu sagen "geerbt" von Ihrem Amtsvorgänger, Bischof Dr. Reinhard Lettmann. Welchen Stellenwert hat dieses Gremium inzwischen für Sie?

Bischof Dr. Felix Genn: Ein solches Beratungsgremium gab es weder im Bistum Trier noch in Essen, meinen vorherigen Stationen. Natürlich hatte ich Respekt vor dieser Einrichtung meines Vorgängers und habe zunächst einmal den Frauen zugehört, zum Kennenlernen. Als dann die Frage der turnusmäßigen Neuberufungen auf mich zukam, konnte ich schon aus vollem Herzen Ja dazu sagen, denn dieses Gremium beleuchtet regelmäßig Aspekte des kirchlichen Lebens, die sonst vielleicht untergehen könnten. Eine starke Räte-Vielfalt, sprich: Beratungs-Vielfalt, ist gut für unser Bistum und die Kirche.

Große-Frintrop: Die bischöfliche Frauenkommission ist auch im Diözesanrat vertreten.

Genn: Das ist ein wichtiges Stück Vernetzung, denn hier kann sie die Sensibilität für Themen der Partnerschaft von Frauen und Männern wach halten - zum Beispiel für eine geschlechtergerechte Sprache. Das ist mir besonders aufgefallen bei der Durchsicht des Pastoralplans, in dem ja deutlich werden soll, dass es auch um eine neue Kultur des Miteinander gehen muss. Diese Einbindung in den Diözesanrat macht auch aus der Sicht des Bischofsamtes viel Sinn, denn ich hätte es auf Dauer nicht gut gefunden, wäre die Frauenkommission allein auf mich ausgerichtet gewesen.

Große-Frintrop: Sie sprachen gerade von einer neuen Kultur des Miteinanders von Frauen und Männern in der "Männergesellschaft" Kirche. In wieweit wird denn so etwas sichtbar auch in den Verwaltungsstrukturen des Bistums? Ganz konkret: Wie sieht es aus mit Frauen in Führungspositionen?

Genn: Da sind Generalvikar Kleyboldt und ich ganz einer Meinung: Fähige Frauen in Leitungspositionen tun der Kirche gut! Sehen wir einmal von den viel diskutierten Fragen des "Weiheamtes" ab, denn für mich ist eine Partnerschaft zwischen Frauen und Männern davon unabhängig. Allerdings reicht es längst nicht, geeignete weibliche Kräfte zu finden und einzustellen, denn wir müssen das Miteinander in den Abteilungen, in den Fachbereichen und Institutionen auch so verändern, dass die Frauen dann auch anerkannt gestalten können.

Große-Frintrop: Dafür bietet die Kommission gerne ihr Selbstbewusstsein als unterstützende Ressource an: Kirche kann dadurch nur glaubwürdiger werden!

Genn: Das sehe ich auch so, denn in ihren Rollen und Begabungen bringen Frauen gerade in Leitungspositionen andere, oft neue Dimensionen ein und verändern so auch die Sichtweise auf viele Fragestellungen und Aufgaben. Schauen auch Sie bitte nach Frauen für solche Ämter und fördern Sie die Ermutigung von Frauen, sich auf Führungspositionen in Kirche zu bewerben.

Große-Frintrop: Lange hat die Fähigkeit der Katholiken gelitten, über ihren Glauben sprechen zu können. Wenn wir heute nach der Rolle der Frau in der Kirche fragen, beinhaltet diese Frage natürlich auch, was es heißt, Mann in dieser Kirche zu sein.

Genn: Da geht es für meinen Geschmack oft etwas zu verbissen zu.  Für mich entzerrt eine Jeremia-Wort diese Debatte: "Und die Frau wird den Mann umgeben". Das ist doch ein wunderbares Bild.

Große-Frintrop: Die Bischöfliche Frauenkommission versteht sich als Beratungsgremium. In ihrer noch recht jungen Geschichte hat es bereits einige Erfolge, sprich aufgegriffene Vorschläge gegeben.

Genn: Ja, etwa den Studientag "Frauen in Führungspositionen", das "Familien-Audit" des Generalvikariates oder die viel beachtete Veranstaltung "Entdeckungstour für die Seele". Besonders die  Frauen spüren die vertrauliche Atmosphäre, in der solche Angebote stattfinden. Für solche Anregungen bin ich sehr dankbar

Große-Frintrop: Lange gelebte und damit verfestigte Strukturen lassen sich nicht immer problemlos aufknacken und verändern. Da kommt es schon auch zu Reibungen, oder?

Genn: Selbstverständlich, aber solche Reibungen in Wertschätzung auszutragen ist möglich! Wir müssen solche notwendigen Prozesse gestalten und eben auch aushalten. Das hat für mich mit erwachsenem Glauben zu tun, denn wir erkaufen uns vordergründige Harmonie oft zu teuer. Wir verletzten die Liebe, wenn wir die Dinge nicht benennen!

Große-Frintrop: Also fragen wir nach dem Weiheamt.

Genn: Für mich heißt die Frage: Wie kann ich als Priester, Mann, Bischof so leben, dass meine Weihe keine Geringschätzung von Frauen bedeutet? Dafür ist nicht allein eine Haltung, sondern auch Handlung nötig.

Große-Frintrop: Gibt es unter ihren persönlichen Ratgebern auch Ratgeberinnen?

Genn: Ja, zum Beispiel sagt mir meine Schwester viele wichtige Sachen. Ich bin unter Frauen groß geworden, es ist für mich selbstverständlich, mich weiblichen Rates zu bedienen.

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